Ausgabe 3 ⁄ 2010, Beitrag Nr. 5

Ernährungsmuster von Kindern im schulpflichtigen Alter in Schottland: Assoziation mit sozioökonomischen Indikatoren, körperlicher Tätigkeit und Adipositas

Eine Analyse der Ernährungsgewohnheiten schottischer Schulkinder konnte diätetische Muster identifizieren, die sich nach Alter und Geschlecht geringfügig unterschieden. Dabei zeigte sich, dass „gesunde“ Ernährungsmuster mit einem höheren Obst- und Gemüseverzehr durchweg mit einem höherem sozialen Status und einem hohen Bildungsstand des Elternteils, der für die Ernährung zuständig ist, assoziiert waren. „Ungesunde“ Ernährungsmuster mit einem höheren Anteil an Snacks und Süßspeisen waren mit einem niedrigerem sozialen Status und niedrigerem Bildungsstand des für die Ernährung sorgenden Elternteils assoziiert. Allerdings gab es keine klare Beziehung zwischen dem Ernährungsmuster, dem BMI oder der körperlichen Aktivität.

Die Studie bezweckte, diätetische Muster bei schottischen Schulkindern zu identifizieren und Assoziationen mit sozioökonomischen Faktoren, Übergewicht und körperlicher Aktivität zu untersuchen. Mit Hilfe der Hauptkomponentenanalyse wurden Nahrungsmittelgruppen identifiziert, die häufig zusammen gegessen wurden. Das Ziel der Analyse war dann, ein Muster derjenigen Lebensmittelgruppen zu ermitteln, die den größten Anteil an der Gesamtvarianz der Daten hatten.

In einem mehrstufigen Prozess wurden systematisch repräsentative Stichproben gezogen. Pro Haushalt wurde ein Kind im Alter von 5-17 Jahren mittels eines Fragebogens zu seinen Ernährungsgewohnheiten befragt. Je nach Altergruppe (5-11 und 12- 17 Jahre) gab es zwei verschiedene Fragebögen, in denen 140 bzw. 146 Lebensmittel gelistet waren (bei den größeren Kindern sechs zusätzliche Punkte zu Kaffee und alkoholischen Getränken) und der Konsum für jedes Lebensmittel pro Tag (g/d) angegeben wurde.
Aus 1233 Fragebögen wurden die Daten so gewichtet, dass sie einer Population von 3-16jährigen schottischen Kindern am 1. Mai 2006 entsprach. Die Hauptkomponentenanalyse für jedes konsumierte Lebensmittel erfolgte für die Geschlechter und Altersgruppen (5-11 und 12-17 Jahre) jeweils getrennt. Um lineare Trends zu überprüfen, wurden Varianzanalysen (ANOVA) bzw. Kovarianzanalysen eingesetzt.
Daten zum Haushaltseinkommen sowie des Ausbildungsniveaus des für die Ernährung zuständigen Elternteils, die in die Bestimmung des sozioökonomischen Status (SES) eingingen, wurden in einer persönlichen Befragung ermittelt. Außerdem wurden fünf Gruppen zunehmenden Grades der multiplen Deprivation entsprechend der Postleitzahlen des Wohnortes gebildet. Als Grundlage dafür dienten Daten des 2006 Scottish Index of Multiple Deprivation (SIMD). Es handelt sich dabei um eine statistische Untersuchung der britischen Regierung zu benachteiligten Gebieten in britischen Kommunen, die sieben Aspekte der Benachteiligung umfasste: Einkommen, Beschäftigung, Kriminalität, Bildung und Qualifikation, fehlende Gesundheitsversorgung, Wohnqualität und Hemmnisse für Dienstleistungen.
Während der persönlichen Befragung wurden Größe und Gewicht der Kinder gemessen, woraus der BMI (Body-Mass-Index) berechnet wurde.
Weiterhin wurden Fragen zur körperlichen Aktivität während der letzten 7 Tage gestellt, in der die tägliche Zeit festgehalten wurde, die für vier verschiedene Tätigkeitskategorien aufgewendet wurde. Um Inaktivität zu messen, wurde nach der Zeit gefragt, die vor einem Bildschirm (Computer oder Fernseher) verbracht wurde.

Bei allen untersuchten Gruppen und Geschlechtern wurden drei Ernährungsmuster identifiziert, die den größten Anteil an der Gesamtvarianz bildeten. Sie trugen nur zu einem Anteil von 12-15% zur Gesamtvarianz bei, was jedoch aufgrund der großen Anzahl von etwa 140 Eingangsvariablen nicht anders zu erwarten war und für derartige Analysen üblich ist. Es wurde ein hoher Konsum von Obst und Gemüse beobachtet, so dass dieses als „gesund“ geltende Ernährungsmuster bei allen Gruppen mindestens einmal auftauchte. Wenigstens eines der weiteren beiden präferierten Ernährungsmuster wurde durch den höheren Anteil an Snacks und Süßspeisen als eher „ungesund“ eingestuft.
In allen untersuchten Gruppen fand sich ein Zusammenhang zwischen dem Grad der multiplen Deprivation (SIMD), wobei „ungesunde“ Ernährungsmuster mit höherer Benachteilung und „gesunde“ mit besseren sozialen Gegebenheiten assoziiert waren. Ähnliche Verhältnisse fanden sich bei der Analyse der Haushaltseinkommen und dem Bildungsstatus des für die Ernährung sorgenden Elternteils. Bei den jüngeren Kindern überwog der Einfluss des Bildungsniveaus des Elternteils, während bei älteren Kindern das Haushaltseinkommen der Indikator mit der höheren Signifikanz war. Möglicherweise sind die Jugendlichen unabhängiger von ihren Eltern und wählen ihre Nahrungsmittel selbst aus. Dabei könnten der eigene Bildungsgrad und zur Verfügung stehendes Geld eine Rolle spielen.
Die Dauer, die vor einem Fernseher oder Computer verbracht wurde, diente als Parameter für körperliche Untätigkeit und zeigte eine negative Beziehung zu einem „gesunden“ Ernährungsmuster mit einem hohen Anteil von Obst und Gemüse. Bei Mädchen im Alter von 5-11 Jahren war die Zeit, die vor einem Bildschirm verbracht wurde, mit dem Verzehr von Süßspeisen korreliert.
Die einzige signifikante Beziehung zwischen BMI und den Ernährungsgewohnheiten fand sich bei 5-11 jährigen Jungen, wobei Jungen mit einem hohen BMI weniger Süßspeisen zu sich nahmen. Einige weitere Studien, die diätetische Muster mit Hilfe der Hauptkomponentenanalyse untersuchten, fanden bis auf eine Ausnahme ebenfalls keine Beziehung zwischen dem BMI und Ernährungsgewohnheiten.

Es konnten klare diätetische Muster bei schulpflichtigen Kindern in Schottland identifiziert werden, die mit sozioökonomischen Faktoren und Untätigkeit zusammenhängen. Dies zeigt neue Aspekte für eine gezielte Förderung der Gesundheit im Hinblick auf erforderliche Änderungen des Lebensstils auf.

Craig LC, McNeill G, Macdiarmid JI, Masson LF, Holmes BA.; Population Health, Division of Applied Health Sciences, University of Aberdeen, Aberdeen AB25 2ZD, UK. l.craig@abdn.ac.uk Dietary patterns of school-age chidren in Scotland: association with socio-economic indicators, physical activity and obesity.

Br J Nutr. 2010 Feb;103(3):319-34.

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