Ausgabe 5 ⁄ 2009, Beitrag Nr. 2

Die Assoziation von Energiedichte des Frühstücks und Ernährungsqualität sowie Body Mass Index bei erwachsenen Amerikanern: Erhebungen zur Nationalen Gesundheit und Ernährung, 1999-2004

Im Rahmen der NHANES-Erhebungen 1999-2004 in den USA wird der Zusammenhang
der Energiedichte des Frühstücks auf die allgemeine Ernährungsqualität
sowie die Energieaufnahme und den BMI bei >12.000 Erwachsenen untersucht.
Zunächst zeigt sich, dass Frühstücken zumindest bei Frauen den BMI positiv
beeinflusst. Eine hohe Energiedichte sollte allerdings beim Frühstück vermieden
werden, da sich dies negativ auf die gesamte Ernährungsqualität, die
Gesamt-Energieaufnahme (Erhöhung) und bei Männern zusätzlich auf den BMI
auswirkt.

Studien der vergangenen Jahre deuten darauf hin, dass die Energiedichte der
Nahrung (i.e. Energiegehalt/g) zur Regulierung der Nahrungsaufnahme beiträgt. Die Energiedichte korrelierte direkt mit der aufgenommenen Energie. Weitere Studien legen nahe, dass die Energiedichte das Körpergewicht auch direkt und unabhängig von der aufgenommenen Energie mitbestimmt. In Interventionsstudien mit dem Ziel der
Gewichtsreduktion führte die Senkung der Energiedichte zu einem verstärkten Gewichtsverlust. Erste Studien aus den USA belegen, dass die Energiedichte der Nahrung mit der zunehmenden Übergewichtsprävalenz in Zusammenhang steht. Die Ursache für diese Beobachtung könnte u.a. damit zusammenhängen, dass Mahlzeiten mit hoher Energiedichte möglicherweise weniger sättigend sind als solche mit einer geringeren Energiedichte. Da das Frühstück die erste Mahlzeit des Tages ist, könnte dessen Energiedichte die weitere Nahrungsaufnahme möglicherweise stark beeinflussen. Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, die Bedeutung der Energiedichte des Frühstücks für die weitere Nahrungsaufnahme und das Körpergewicht zu klären.

Die Studienergebnisse im Folgenden basieren auf den Daten der National Health and Nutrition Examination Surveys (NHANES) der Jahre 1999-2000, 2001-2002 sowie 2003-2004. Bei NHANES handelt es sich um nationale Erhebungen zur Gesundheits- und Ernährungssituation der US- Amerikanischen Bevölkerung, die fortlaufend weitergeführt werden. Für die Datenerhebungen werden in den Haushalten Interviews (24- Stunden-Protokolle zur Ernährung) und in mobilen Untersuchungszentren medizinische Untersuchungen (z.B. Wiegen, Messen) durchgeführt. Für die vorliegende Studie werden Daten von 12.316 Personen ≥20 Jahre verwendet. In den 24-Stunden- Aufzeichnungen zur Ernährung sollten die Probanden angeben, welche Mahlzeiten sie über den Tag verzehrt haben. Für die Analyse werden Personen, die frühstücken von
denen unterschieden, die kein Frühstück verzehren. Die Energiedichte der verzehrten Nahrungsmittel wird mit Hilfe des Energiegehalts der Nahrungsmittel inklusive und exklusive
nahrhafter Getränke (Milch, 100%-Fruchtsäfte, Gemüsesäfte) in kcal/g berechnet. Insgesamt bestimmen die Autoren folgende Parameter: Energiedichte der über einen Tag verzehrten Nahrungsmittel/Getränke, Gesamtenergieaufnahme, Gewicht der
Nahrungsmittel, Körpergewicht, Größe, BMI, verzehrte Makronährstoffe, bestimmte verzehrte Mikronährstoffe (Vitamin A, E, B6, C, Folat, Mineralstoffe). Darüber hinaus
fließen auch Angaben über sozioökonomische Faktoren als Kofaktoren in die Analyse ein. Insgesamt geben 80 % der Befragten an, am Morgen zu frühstücken. Am häufigsten
werden zum Frühstück Milch- und Getreideprodukte kombiniert. Die statistische Auswertung mittels multivariater Regressionsanalyse zeigt, dass die 24-Std.- Energieaufnahme bei „Frühstückern“ signifikant höher ist als bei „Nicht-Frühstückern“
(2278 kcal vs. 1998 kcal, p<0,0001). Die Energiedichte der insgesamt über den Tag verzehrten Lebensmittel +/- nahrhafte Getränke ist hingegen bei Personen, die morgens frühstücken, deutlich geringer als bei „Nicht-Frühstückern“ (p<0,0001 bzw. ohne
Getränke p=0,02). Bei Frauen, die frühstücken ist auch der BMI niedriger als bei „Nicht-Frühstückerinnen“ (p<0,001), während das Frühstücken bei Männern keinen signifikanten Einfluss auf den BMI hat.

Die Energiedichte des Frühstücks korreliert negativ mit dem Alter, dem Raucher- Status, der Freizeit- und Sportaktivität der Frühstücker, während der Bildungsstatus und der BMI positiv mit der Frühstücks-Energiedichte assoziiert sind. Die Energiedichte
des verzehrten Frühstücks beeinflusst die Energiedichte der später am Tag verzehrten Speisen und Getränke sowie die Gesamt-Energieaufnahme über das Frühstück und nachfolgende Lebensmittel. Je höher die Frühstückenergiedichte, desto höher ist 1. die Energieaufnahme über das Frühstück, 2. die 24-Std.- Gesamtenergieaufnahme sowie 3. die Energiedichte später verzehrter Nahrungsmittel (p<0,004). Eine hohe Frühstücksenergiedichte (inkl. nahrhafte Getränke) geht zwar mit geringeren Verzehrsmengen aller Mahlzeiten (p≤0,001) einher, aber die über Fett aufgenommene Energie steigt bei einer hohen Frühstücksenergiedichte an. Gleichzeitig sinkt zum einen die aufgenommene Menge an Mikronährstoffen und Ballaststoffen (p<0,0001) und zum anderen die Wahrscheinlichkeit, dass die 5 Nahrungsmittelgruppen Gemüse, Obst, Fleisch, Getreide- und Milchprodukte verzehrt werden. Damit sinkt also die Ernährungsqualität.
Werden die Daten in der Regressionsanalyse hinsichtlich der Kofaktoren Energieaufnahme
und Energiedichte anderer Mahlzeiten korrigiert, korreliert die Energiedichte
des Frühstücks (inkl. nahrhafter Getränke) bei Männern signifikant positiv mit dem BMI (p=0,001). Bei Frauen korreliert nach der Datenkorrektur im Gegensatz dazu nur die
Energiedichte anderer Mahlzeiten, nicht aber die des Frühstücks, positiv mit dem BMI (p≤0,001).

Schlussfolgerung: Generell hat Frühstücken zumindest bei Frauen einen positiven Effekt auf den BMI. Eine hohe Energiedichte des Frühstücks beeinflusst allerdings die
Ernährungsqualität bei Frauen und Männern negativ. Sie erhöht außerdem nicht nur die Energiedichte anderer Mahlzeiten, sondern auch die Gesamtenergieaufnahme pro Tag. Daher sollte man zwar generell zum Frühstücken motivieren, aber gleichzeitig darauf hinweisen, die Frühstückszusammensetzung so zu wählen, dass die Energiedichte
nicht hoch ist.

Kant, A.K., M.B. Andon, T.J. Angelopoulos, J. M. Rippe (Department of Family, Nutrition,
and Exercise Sciences, Queens College of the University of New York, Flushing,
New York; Quaker-Tropicana-Gatorade Research and Development Department, Barrington;
The Center for Lifestyle Medicine and Department of Health Professions, University
of Central Florida, Orlando; The Rippe Lifestyle Institute, Shrewsbury; USA):
Association of breakfast energy density with the diet quality and body mass index in
American adults: National health and nutrition examination surveys, 1999-2004.
American Journal of Clinical Nutrition, 88 (2008) pp.1396-1404.

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